Es menschelt und muht

2008-08-01 15:07:56 - Travel-Reporter.Net

Stolz steht der Bauer und Museumsleiter Ander Schießling vor seinem Bergbauernmuseum „Unterberghof“. Foto: Tirol Werbung/News-Reporter.NET
 

Aufgebrachtes Gackern, Flügelschlagen und gelegentliches Muhen der Kühe ertönt hinter der knorrigen Holztür des Bergbauernmuseums „Unterberghof“ im österreichischen Alpbach. Der Geruch von altem Holz und trockenem Heu liegt in der Luft. Hier leben drei Kühe und 15 Hühner in den Originalstallungen des geschichtsträchtigen Hauses. Eier und frische Milch liefern sie ihrem Bauern Ander Schießling, für den sein Heimatmuseum gleich mehrere Funktionen hat: Im Winter räuchert der 78-Jährige Speck in der alten Bauernküche, schneidet Späne zum Heizen in der Holzwerkstatt, und in seiner Funktion als Museumsleiter erzählt er von längst vergangenen Tagen und seiner Kindheit, die er hier verbracht hat. Ander Schießling ist eines von fünf Kindern, die am Unterberghof geboren wurden. Die Mitglieder der Bergbauernfamilie waren Selbsterhalter und lebten von dem, was sie anbauten und ernteten. Bis ins Jahr 1953 war der Hof noch bewohnt. Als er in den 70er-Jahren verkauft werden sollte, nahm sich der damalige Bürgermeister seiner an und funktionierte den Bauernhof zum heutigen Bergbauernmuseum um. Heute wohnt Schießling im neuen Bauernhaus gleich neben dem Museum.

800 Gebrauchs- und Einrichtungsgegenstände geben interessante Einblicke in das bäuerliche Leben: Butterfässer, Holzskier, Heukörbe, Trachten und sogar Zahnbohrer aus dem 18. Jahrhundert sind im Museum zu sehen. Eine Rarität hält Schießling in einem Kämmerchen hinter der Bauernküche parat: das einzige noch existierende Alpbacher Himmelbett im gesamten Tal. In diesem Zimmer schliefen die alten Bauersleute, und es war bitterkalt, da der Kamin in die oberen Schlafzimmer ging: „Wenn der junge Bauer heiratete, gab es manchmal Streitigkeiten, wer über dem Kamin schlafen darf und wer ausziehen muss“, meint Schießling mit einem Lächeln. Leinenflax, Strohsäcke und Schafswolle – eben alles, was selbst produziert wurde – machten das eisige Himmelbett komplett. Auch die Hauskapelle mit Altar ist eine Besonderheit des Hofes. Das Museum „Unterberghof“ ist vom 22. Mai bis Mitte September montags, donnerstags, samstags und sonntags von elf bis 16 Uhr geöffnet. Kontakt ist unter der Telefonnummer +43 53 36 56 07 möglich. (News-Reporter.NET/JM)

 
 
 

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